Es beginnt oft ganz schleichend. Ein leichtes Scheuern an der Mähne. Ein nervöses Zucken der Haut. Ein Pferd, das plötzlich unruhiger wird, empfindlicher reagiert oder sich ständig kratzt. Viele Pferdebesitzer merken schon im Frühjahr: „Irgendetwas beginnt wieder.“ Und genau das beobachten wir inzwischen immer häufiger. Die ersten Mücken kommen früher, die Haut reagiert schneller und die Beschwerden ziehen sich teilweise über Monate.
Gerade beim Sommerekzem zeigt sich für mich in der Praxis immer wieder, wie wichtig es ist, nicht nur die Haut anzusehen, sondern das gesamte Tier. Denn aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin für Tiere ist Juckreiz nicht einfach nur ein Hautproblem. Hinter diesen Symptomen steckt häufig ein viel tieferes Ungleichgewicht.
Ich möchte Dir heute einen sehr spannenden Fall aus meinen Praxistagen vorstellen. Ein Pferd, das viele typische Anzeichen eines beginnenden Sommerekzems gezeigt hat – und bei dem meine Schülerinnen mitten in der Ausbildung bereits lernen durften, wie man ein solches Pferd diagnostisch und therapeutisch aus Sicht der TCVM betrachtet.
Inhalte
Sommerekzem aus Sicht der TCVM – warum die Haut oft nur das äußere Symptom ist
In der westlichen Sichtweise wird Sommerekzem häufig als allergische Reaktion auf Mückenstiche beschrieben. Und ja – natürlich spielen Insekten dabei eine große Rolle. Aber in der TCVM schauen wir tiefer.
Denn nicht jedes Pferd reagiert gleich stark auf Mücken. Manche Pferde stehen direkt daneben und zeigen kaum Symptome. Andere entwickeln massiven Juckreiz, entzündete Haut, Unruhe und chronische Hautveränderungen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Warum reagiert genau dieses Pferd so stark?
In der TCVM sprechen wir bei starkem Juckreiz sehr häufig von Wind. Wind gilt als pathogener Faktor. Besonders Hautsymptome, die plötzlich auftreten, wandern, jucken oder sich verändern, werden oft mit Wind in Verbindung gebracht.
Juckreiz ist aus Sicht der TCVM häufig „Wind unter der Haut“.
Und genau das war bei Sid sehr spannend zu beobachten.
Die Diagnostik – warum wir in der TCVM nicht einfach „drauflos behandeln“
Bevor überhaupt behandelt wurde, haben wir erst einmal eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Denn genau das ist ein entscheidender Punkt in meiner Ausbildung: Nicht einfach Punkte auswendig lernen, sondern verstehen, warum ein Tier Symptome entwickelt.
Die Schülerinnen waren zu diesem Zeitpunkt mitten in der Ausbildung. Es ging also nicht um Perfektion, sondern darum, die Zusammenhänge zu lernen und Sicherheit zu entwickeln.
Wir haben gemeinsam den Blasenmeridian am Rücken des Pferdes untersucht. Dort befinden sich die sogenannten diagnostischen Punkte beziehungsweise Zustimmungspunkte.
Diese Punkte geben uns oft unglaublich viele Hinweise darauf, welche Organsysteme beteiligt sind und wie tief ein Problem bereits sitzt.
Sid trug an diesem Tag noch kleine Klebepunkte auf dem Rücken, weil wir zuvor gemeinsam die diagnostischen Punkte lokalisiert hatten.
Danach begann die eigentliche Palpation.
Eine meiner Schülerinnen tastete die Punkte sorgfältig ab. Dabei beobachten wir nicht nur Schmerzreaktionen, sondern auch Spannung, Temperatur, Hautveränderungen, Reaktionen des Pferdes und die Gesamtqualität des Gewebes.
Besonders spannend war dabei der äußere Ast des Blasenmeridians.
Der äußere Ast steht in der TCVM unter anderem für:
- Chronizität
- emotionale Beteiligung
- psychosomatische Zusammenhänge
- tief sitzende Disharmoniemuster
Gerade bei chronischen Hauterkrankungen wie Sommerekzem spielt dieser Bereich häufig eine große Rolle.
Wind ausleiten – warum Gallenblase 20 bei Sommerekzem so spannend ist
Während der Untersuchung fiel ein Punkt besonders auf: Gallenblase 20.
Dieser Punkt gehört für mich zu den wichtigsten Punkten, wenn es um Wind geht.
Gallenblase 20 liegt im Bereich des Genicks und wird in der TCVM traditionell genutzt, um Wind auszuleiten.
Der Punkt wird häufig eingesetzt bei:
- Juckreiz
- nervöser Unruhe
- Überempfindlichkeit
- Spannungszuständen
- vegetativer Dysbalance
- Wetterempfindlichkeit
- stressbedingten Symptomen
Und genau das passte bei Sid sehr gut.
Denn Sommerekzemer zeigen oft nicht nur Hautsymptome. Viele Pferde wirken gleichzeitig sensibler, reizbarer oder nervlich angespannter. Manche Pferde reagieren emotional deutlich empfindlicher, sobald die Ekzem-Saison beginnt.
Auch Sid begann bereits wieder, sich zu jucken.
Zusätzlich zeigte er eine gewisse innere Unruhe.
Leber und Wind – ein wichtiger Zusammenhang in der TCVM
Ein weiterer zentraler Punkt bei Sid war Blase 18 – der Zustimmungspunkt der Leber.
In der TCVM hat die Leber eine sehr enge Verbindung zum Wind.
Wenn Leber-Qi stagniert oder Leber-Yang aufsteigt, kann daraus innerer Wind entstehen. Dieser Wind kann sich dann unter anderem äußern durch:
- Juckreiz
- Muskelzucken
- Nervosität
- emotionale Gereiztheit
- plötzliche Symptome
- Spannungszustände
Deshalb haben wir uns entschieden, auch Blase 18 zu nadeln.
Gerade bei Pferden mit Sommerekzem sehe ich häufig eine Beteiligung der Leber. Oft geht es dabei nicht nur um die Haut selbst, sondern um ein tieferes energetisches Ungleichgewicht.
Akupunktur beim Pferd – oft viel ruhiger als viele denken
Viele Menschen stellen sich Akupunktur beim Pferd spektakulär vor. In der Realität ist sie häufig erstaunlich ruhig.
Eine meiner Schülerinnen setzte zunächst den Punkt Dreifacher Erwärmer 1.
Dieser Punkt öffnet den tendino-muskulären Verlauf des Dreifacher-Erwärmer-Meridians und war bei Sid auffällig.
Besonders interessant war die Tingpunkt-Befundung. Der Tingpunkt auf der rechten Seite zeigte eine deutliche Eindellung – ein Hinweis darauf, dass dort energetisch etwas nicht im Gleichgewicht war.
Die Schülerin setzte die Nadel sehr ruhig und kontrolliert.
Und genau das ist mir in meinen Praxistagen so wichtig:
Nicht Druck.
Nicht Perfektion.
Sondern Ruhe, Sicherheit und Verständnis für das Tier.
Wenn ein Pferd plötzlich nicht mehr mitmachen möchte
Was ich an diesem Fall besonders wichtig finde:
Es lief nicht einfach alles perfekt.
Und genau das gehört zur Realität dazu.
Auf der zweiten Seite wurde es deutlich schwieriger. Sid hatte irgendwann keine Lust mehr. Andere Pferde wurden bereits auf die Weide gebracht, er wurde unruhiger und begann, weniger kooperativ zu werden.
Dazu kam:
Sid neigt durchaus zum Zwicken und Beißen.
Und genau solche Situationen erleben Therapeuten im Alltag.
Ich finde es wichtig, auch diese Realität zu zeigen. Nicht jede Behandlung läuft geschniegelt und perfekt ab. Manchmal braucht ein Pferd Zeit.
Die Schülerin musste erst einmal Ruhe in die Situation bringen, den Punkt finden und auf den richtigen Moment warten.
Und genau das vermittle ich meinen Schülern immer wieder:
Ruhe überträgt sich auf das Tier.
Wenn ich hektisch werde, wird das Pferd hektisch.
Wenn ich innerlich ruhig bleibe, kann das Tier oft ebenfalls wieder regulieren.
Ich sage in solchen Situationen häufig:
„Es hat noch nie länger als zwei Tage gedauert.“
Damit meine ich nicht, dass wir tatsächlich zwei Tage dort stehen. Sondern dass ich niemals innerlich in Stress gehe. Tiere spüren genau das.
Und plötzlich entstand ein kleiner Moment der Ruhe.
Die Nadel konnte gesetzt werden.
Das De-Qi-Gefühl – wenn der Körper beginnt zu reagieren
Nach dem Setzen der Nadel zeigte Sid eine sehr schöne Reaktion.
Er begann zu kauen.
Er schleckte über die Lippen.
Er schüttelte sich.
Er wirkte insgesamt weicher.
In der Akupunktur sprechen wir dabei häufig vom sogenannten De-Qi-Gefühl.
Das beschreibt die Reaktion des Körpers auf die Nadelung.
Jedes Tier reagiert dabei anders.
Manche Pferde gähnen.
Andere beginnen zu kauen.
Manche schütteln sich.
Andere entspannen sich sichtbar.
Und genau solche Reaktionen zeigen uns häufig, dass das vegetative Nervensystem beginnt zu regulieren.
Besonders spannend war bei Sid:
Nach der Nadelung von Gallenblase 20 begann er leicht zu schwitzen.
Nicht aus Stress.
Sondern als vegetative Reaktion.
Denn Gallenblase 20 wird in der TCVM unter anderem genutzt, um den Sympathikus zu regulieren.
Viele Pferde mit Sommerekzem stehen dauerhaft unter innerer Spannung. Der Körper befindet sich häufig in einer Art dauerhafter Alarmbereitschaft.
Deshalb reicht es oft nicht aus, nur die Haut zu behandeln.
Warum Sommerekzem häufig mehr ist als nur eine Hauterkrankung
Gerade chronische Hauterkrankungen zeigen uns oft, dass der Körper insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten ist.
In der TCVM betrachten wir deshalb unter anderem:
- Wind
- Hitze
- Feuchtigkeit
- Blut-Mangel
- Leber-Disharmonien
- emotionale Belastungen
- chronische Stressmuster
- Schwächen des Wei-Qi
Das Wei-Qi wird häufig vereinfacht als „Abwehrenergie“ beschrieben.
Ist diese geschwächt, reagieren Tiere oft empfindlicher auf äußere Einflüsse.
Und genau deshalb arbeiten wir in der TCVM nicht nur symptomatisch.
Natürlich möchten wir den Juckreiz lindern.
Natürlich möchten wir das Pferd entlasten.
Aber gleichzeitig versuchen wir auch zu verstehen:
Warum konnte sich dieses Muster überhaupt entwickeln?
Die Bedeutung der emotionalen Ebene
Was viele unterschätzen:
Pferde mit chronischen Hautproblemen zeigen häufig auch emotionale Veränderungen.
Manche werden reizbarer.
Andere schreckhafter.
Wieder andere ziehen sich zurück.
Gerade über den äußeren Ast des Blasenmeridians lassen sich häufig Hinweise auf psychosomatische Beteiligungen erkennen.
Und genau deshalb liebe ich die TCVM so sehr.
Weil sie das Tier nicht auf ein Symptom reduziert.
Sondern weil sie Zusammenhänge sichtbar macht.
Warum eine individuelle Betrachtung so wichtig ist
Nicht jedes Sommerekzem ist gleich.
Und genau deshalb halte ich persönlich wenig davon, einfach pauschale Punktkombinationen zu übernehmen.
Denn hinter dem gleichen Symptom können völlig unterschiedliche Muster stehen.
Ein Pferd zeigt eher:
- Wind-Hitze
Das nächste:
- Blut-Mangel mit Trockenheit
Ein anderes:
- Feuchte-Hitze
Oder:
- emotionale Leber-Qi-Stagnation mit innerem Wind
Deshalb beginnt gute Therapie für mich immer mit Diagnostik.
Mein persönlicher Blick auf die Arbeit mit diesen Pferden
Ich arbeite inzwischen seit vielen Jahren mit Pferden, die unter chronischen Hautproblemen leiden.
Und gerade Sommerekzemer berühren mich oft besonders.
Denn viele dieser Pferde stehen monatelang unter massivem Stress.
Sie können nicht abschalten.
Sie jucken sich wund.
Sie reagieren gereizt.
Sie wirken innerlich ständig „unter Strom“.
Und genau deshalb liebe ich die Kombination aus:
- Diagnostik
- Akupunktur
- Laserakupunktur
- ruhiger therapeutischer Arbeit
- genauer Beobachtung des Tieres
Denn manchmal verändert sich nicht nur die Haut.
Sondern das gesamte Pferd.
Die Spannung wird weniger.
Die Unruhe lässt nach.
Das Pferd wirkt wieder mehr „bei sich“.
Und genau diese Momente sind es, die mich bis heute tief berühren.
TCVM lernen – Pferde ganzheitlich verstehen
Genau solche Fälle bearbeiten wir intensiv in meiner großen Fachausbildung Traditionelle Chinesische Medizin für Hunde und Pferde.
Mir ist wichtig, dass meine Schülerinnen und Schüler nicht einfach nur Punkte auswendig lernen, sondern wirklich verstehen:
- Warum ein Tier Symptome entwickelt
- Wie man diagnostische Punkte interpretiert
- Wie emotionale Muster erkannt werden
- Wie Akupunktur sinnvoll aufgebaut wird
- Wie Pferde individuell betrachtet werden
Die Ausbildung kann komplett online absolviert werden.
Zusätzlich gibt es freiwillige Praxistage, an denen wir genau solche Fälle gemeinsam praktisch bearbeiten.
Und genau dort entstehen oft die wertvollsten Erfahrungen.
Mein YouTube-Video zum Thema Sommerekzem
Wenn Dich das Thema Sommerekzem aus Sicht der TCVM noch tiefer interessiert und Du einmal live sehen möchtest, wie wir ein Pferd mit beginnendem Sommerekzem diagnostisch betrachten und akupunktieren, dann schau Dir unbedingt auch mein YouTube-Video dazu an:
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Mehr InformationenMöchtest Du lernen, Pferde mit TCVM ganzheitlich zu behandeln?
Wenn Du nicht nur Symptome unterdrücken möchtest, sondern verstehen willst, warum ein Pferd überhaupt Sommerekzem, Juckreiz oder chronische Hautprobleme entwickelt, dann bist Du in meiner großen Fachausbildung Traditionelle Chinesische Medizin für Hunde und Pferde genau richtig.
Auch ohne Vorkenntnisse kannst Du in die Ausbildung starten.
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Dann fordere Dir jetzt gerne eine kostenlose Probelektion an und schau Dir die Ausbildung ganz in Ruhe an.
Vielleicht darf ich Dich ja schon bald als Schülerin oder Schüler in meiner TCVM-Ausbildung begrüßen.
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Tina Doxtader
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