Manchmal sind es nicht die großen, auffälligen Veränderungen am Pferd, die den entscheidenden Hinweis liefern. Viel häufiger sind es kleine Details, die leicht übersehen werden – wenn man nicht weiß, worauf man achten muss. Genau zu diesen besonderen Bereichen gehören die Ting-Punkte der TCVM. Sie sind klein, unscheinbar und liegen am Kronsaum des Pferdes. Dennoch liefern sie wertvolle Informationen über funktionelle Zusammenhänge im Körper und können therapeutisch eine bedeutende Rolle spielen.
Je länger ich mit Pferden arbeite, desto mehr fasziniert mich die Präzision dieser Punkte. Für mich gehören sie zu den spannendsten Bereichen der Meridianlehre, weil sie Diagnostik und Therapie auf einzigartige Weise miteinander verbinden. Sie zeigen oft Zusammenhänge auf, die sich mit einer rein schulmedizinischen Betrachtung nicht unmittelbar erschließen und eröffnen dadurch zusätzliche Möglichkeiten, funktionelle Auffälligkeiten besser einzuordnen.
Inhalte
Was sind Ting-Punkte?
Die Ting-Punkte gehören zu den sogenannten antiken Punkten der chinesischen Medizin. Sie werden auch Jing- oder Brunnenpunkte genannt und befinden sich beim Pferd unmittelbar am Kronsaum.
An jedem Bein verlaufen sechs Meridiane. Dementsprechend besitzt jedes Pferdebein sechs Ting-Punkte. Je nach Meridian handelt es sich dabei um den Anfangs- oder Endpunkt des jeweiligen Leitbahnsystems.
Bereits diese besondere Lage macht deutlich, welche Bedeutung ihnen innerhalb der TCVM zukommt. Sie bilden gewissermaßen den Eingang oder Ausgang eines Meridians und stehen dadurch in enger Verbindung mit dessen gesamtem Verlauf.
Besonders interessant wird es jedoch, wenn man sich den sogenannten tendinomuskulären Verlauf eines Meridians anschaut.
Die Verbindung zum tendinomuskulären Meridian
In der TCVM unterscheidet man zwischen dem klassischen Meridianverlauf und dem tendinomuskulären Verlauf.
Der tendinomuskuläre Meridian beschreibt funktionelle Zusammenhänge über Muskeln, Faszien, Sehnen und Bänder. Genau diesen Verlauf können die Ting-Punkte beeinflussen.
Das eröffnet Möglichkeiten, die auf den ersten Blick oft überraschend erscheinen. Denn manche Wirkzusammenhänge liegen nicht direkt auf dem klassischen Meridianverlauf, sondern zeigen sich erst über diese tendinomuskulären Verbindungen.
Genau deshalb faszinieren mich diese Punkte seit vielen Jahren so sehr.
Warum ich Ting-Punkte immer in meine Befundung einbeziehe
In meiner täglichen Arbeit gehören die Ting-Punkte selbstverständlich zur Untersuchung.
Ich taste sie sorgfältig ab und achte dabei auf verschiedene Veränderungen.
Zum Beispiel interessiert mich:
- wirkt der Punkt eher eingesunken?
- erscheint er deutlich geschwollen?
- fühlt er sich gespannt oder unauffällig an?
Diese palpatorischen Unterschiede liefern mir Hinweise darauf, wie sich der entsprechende Funktionskreis präsentiert.
Innerhalb der TCVM können solche Auffälligkeiten Hinweise auf funktionelle Ungleichgewichte geben. Natürlich betrachte ich dabei niemals nur einen einzelnen Punkt isoliert. Erst im Zusammenhang mit der gesamten Untersuchung entsteht ein stimmiges Bild.
Genau das macht eine fundierte TCVM-Diagnostik aus.
Auffälliger Ting-Punkt – und dann?
Zeigt sich ein Ting-Punkt diagnostisch auffällig, kann er in das individuelle Therapiekonzept einbezogen werden.
Je nach Situation arbeite ich dabei beispielsweise mit:
- Akupunktur
- Akupressur
- Laserakupunktur
Welche Methode zum Einsatz kommt, richtet sich immer nach dem einzelnen Tier, seiner Gesamtsituation und dem jeweiligen Befund.
Die besonderen "Goodies" der Ting-Punkte
Ich nenne sie gerne augenzwinkernd ihre „Goodies“.
Damit meine ich zusätzliche funktionelle Zusammenhänge, die sich nicht unmittelbar aus dem klassischen Meridianverlauf ableiten lassen.
Gerade diese Besonderheiten machen die Ting-Punkte für mich so außergewöhnlich spannend.
Schauen wir uns einige Beispiele an.
Der Dreifache-Erwärmer und das Zungenbein
Ein besonders interessantes Beispiel ist der Ting-Punkt des Dreifachen Erwärmers.
Über seinen tendinomuskulären Verlauf besteht eine funktionelle Verbindung bis zum Zungenbein.
Das bedeutet: Zeigt dieser Punkt Auffälligkeiten, kann dies ein zusätzlicher Hinweis auf Spannungen innerhalb dieser funktionellen Kette sein.
Das Zungenbein spielt für viele Bewegungsabläufe des Pferdes eine wichtige Rolle. Einschränkungen in diesem Bereich können sich unter anderem auf Fressverhalten, Trinkverhalten oder die Rittigkeit auswirken.
In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Pferde, bei denen genau dieser Bereich eine entscheidende Rolle spielt.
Natürlich ersetzt eine solche Betrachtung niemals eine tierärztliche Untersuchung. Sie kann jedoch wertvolle ergänzende Hinweise liefern und die funktionelle Einordnung unterstützen.
Dünndarm-Meridian und die Backenzähne
Ein weiteres faszinierendes Beispiel ist der Ting-Punkt des Dünndarm-Meridians.
Zeigt sich dieser diagnostisch auffällig, kann dies unter anderem Hinweise auf funktionelle Zusammenhänge im Bereich der Backenzähne geben.
Gerade Zahnprobleme bleiben bei Pferden häufig lange unbemerkt.
Natürlich bedeutet ein auffälliger Ting-Punkt nicht automatisch, dass tatsächlich eine Zahnerkrankung vorliegt. Er kann jedoch Anlass sein, diesen Bereich genauer zu betrachten oder gegebenenfalls eine weiterführende Untersuchung einzuleiten.
Genau diese Zusammenhänge machen die Diagnostik für mich so spannend.
Perikard-Meridian – Unterstützung für Brustkorb und Zwerchfell
Besonders beeindruckend finde ich den Ting-Punkt des Perikard-Meridians.
Der klassische Meridian beginnt im Bereich der Achsel. Sein tendinomuskulärer Verlauf zeigt jedoch funktionelle Zusammenhänge, die weit darüber hinausgehen.
Wird dieser Punkt therapeutisch einbezogen, lassen sich nach meiner Erfahrung häufig Spannungen im Bereich des Zwerchfells sowie der Zwischenrippenmuskulatur positiv beeinflussen.
Gerade bei Pferden mit deutlichen muskulären Verspannungen im Brustkorb kann das therapeutisch eine wertvolle Ergänzung sein.
Natürlich ersetzt dies nicht die Behandlung der eigentlichen Ursache. Vielmehr kann es den Körper dabei unterstützen, wieder mehr Beweglichkeit innerhalb dieser Strukturen zu entwickeln und dadurch bessere Voraussetzungen für die weitere Therapie zu schaffen.
Besonders interessant für Therapeutinnen und Therapeuten des Bewegungsapparates
Gerade wenn Du als Physiotherapeut, Osteopath, Chiropraktiker oder Tierheilpraktiker arbeitest, können die Ting-Punkte eine spannende Erweiterung Deiner Diagnostik darstellen.
Denn sie ermöglichen zusätzliche Blickwinkel auf funktionelle Zusammenhänge des Bewegungsapparates.
Vor allem muskuläre, fasziale und sehnige Strukturen lassen sich dadurch häufig differenzierter beurteilen.
Je besser wir die funktionellen Ketten verstehen, desto gezielter können wir unser therapeutisches Vorgehen planen.
Lasergestützte Ting-Punkt-Diagnostik
Neben der Palpation nutze ich sehr gerne die kontrollierte Laserakupunktur.
Hier arbeite ich pulsbasiert mit dem sogenannten RAC (Reflex Auriculo-Cardial).
Dabei werden die einzelnen Ting-Punkte mit dem Laser angereizt und gleichzeitig über die Pulsreaktion beurteilt.
Diese Form der Diagnostik bietet für mich einen großen Vorteil.
Manchmal liefert die reine Palpation keine eindeutigen Hinweise. Über den Laser und den RAC lassen sich auffällige Punkte häufig noch präziser identifizieren.
Zusätzlich arbeite ich dabei mit ausgewählten Frequenzen, beispielsweise den Reininger-Frequenzen, die ich gezielt in die Untersuchung einbeziehe.
Zeigt der RAC eine Reaktion, kann der betreffende Punkt unmittelbar weiter therapeutisch begleitet werden. Dabei dient die Pulsreaktion gleichzeitig als Orientierung innerhalb der Behandlung.
Warum mich die kontrollierte Laserakupunktur so begeistert
Die klassische TCVM bietet bereits unglaublich viele Möglichkeiten.
Für mich setzt die kontrollierte Laserakupunktur jedoch noch einmal einen weiteren Baustein darauf.
Sie verbindet traditionelles Wissen mit moderner Technologie und ermöglicht dadurch ein sehr präzises Arbeiten.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ohne Nadeln gearbeitet werden kann.
Viele Pferde akzeptieren die Laserbehandlung ausgesprochen ruhig. Da keine Punktion erfolgt, empfinden zahlreiche Tiere diese Form der Anwendung als sehr angenehm.
Hinzu kommt der praktische Aspekt: Die Behandlung lässt sich häufig zügig durchführen und kann gut in ein ganzheitliches Therapiekonzept integriert werden.
Ting-Punkte in der Praxis erleben
Wenn Du die Ting-Punkte einmal direkt am Pferd sehen möchtest und erfahren willst, wie ich sie untersuche, palpiere und im Rahmen meiner TCVM-Diagnostik beurteile, dann schau Dir mein YouTube-Video „Ting-Punkte in der TCVM“ an.
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Mehr InformationenMein Fazit
Die Ting-Punkte gehören für mich zu den faszinierendsten Bereichen der Traditionellen Chinesischen Veterinärmedizin.
Sie verbinden Diagnostik, funktionelle Anatomie und Therapie auf eine Weise, die den Blick auf das Pferd deutlich erweitert. Wer lernt, diese kleinen Punkte richtig zu beurteilen, entdeckt oft Zusammenhänge, die andernfalls verborgen bleiben würden.
Gerade in Kombination mit der kontrollierten Laserakupunktur eröffnen sich zusätzliche diagnostische Möglichkeiten und eine sehr präzise Art des therapeutischen Arbeitens.
Wenn Du lernen möchtest, wie Du die Lasertherapie und kontrollierte Laserakupunktur verantwortungsvoll in der Praxis einsetzt und Ting-Punkte gezielt in Deine Befundung und Dein therapeutisches Konzept integrierst, dann sichere Dir jetzt Deine kostenlose Probelektion meiner Online-Ausbildung „Lasertherapie und kontrollierte Laserakupunktur für Pferde und Hunde“.
Dort erhältst Du einen Einblick in den Aufbau der Ausbildung, meine Art zu unterrichten und die Inhalte, die ich seit vielen Jahren an Tiertherapeutinnen und Tiertherapeuten vermittle.
Mehr erfahren:
Tina Doxtader
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