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Manchmal beginnt ein Fall ganz leise. Nicht mit dramatischen Symptomen, sondern mit einer Unruhe, die sich einschleicht. Mit Nächten, in denen ein Hund nicht zur Ruhe kommt. Mit diesem diffusen Gefühl von „irgendetwas stimmt nicht“, das viele Besitzer sehr gut kennen. Genau so begann auch dieser Fall.

Vor mir stand eine wunderschöne weiße Schäferhündin. Zwölf Jahre alt. Wach, aufmerksam, körperlich noch erstaunlich beweglich für ihr Alter. Sie sprang problemlos aus dem Auto, ging selbstständig Treppen hoch, zeigte keine ausgeprägten orthopädischen Einschränkungen. Ja, die Hinterhand war nicht mehr ganz so kraftvoll wie früher – aber das war hier nicht das zentrale Thema. Der Fokus lag ganz klar woanders: bei der Bauchspeicheldrüse.

Inhalte

Die Geschichte hinter den Symptomen

Die Hündin stammt ursprünglich aus Spanien. Sie wurde mit etwa zehn Monaten ausgesetzt und kam dann zu ihrer heutigen Besitzerin. Im Januar wird sie zwölf Jahre alt. Seit etwa sechs Jahren sind chronische Probleme der Bauchspeicheldrüse bekannt. Sie benötigt Enzyme zum Futter, das Futter wurde stark fettreduziert, Leckerchen gibt es kaum noch.

Was die Besitzerin besonders belastet, sind die nächtlichen Phasen:
Unruhe nach der letzten Mahlzeit, das Bedürfnis, nach draußen zu gehen, Gras zu fressen. Dieses ständige „Ihr ist nicht gut“. Ob es Sodbrennen ist, ob es Übelkeit ist – das lässt sich schulmedizinisch oft nur schwer greifen. Der Kot ist grundsätzlich geformt, allerdings zeigt sich beim Absetzen ein sogenanntes „Verteilen beim Gehen“, was auf eine eingeschränkte Kontrolle und eine Schwäche im Bereich der Mitte hinweisen kann.

All das ist seit Jahren bekannt, tierärztlich abgeklärt, schulmedizinisch begleitet. Und trotzdem bleibt etwas zurück: Das Gefühl, dass der Körper nicht wirklich zur Ruhe kommt.

Erste Eindrücke: Emotionen, die man fühlen kann

Schon bei der Anamnese war eines sofort spürbar: Diese Hündin war extrem unruhig. Ängstlich. Innerlich angespannt. Und gleichzeitig war auch die Besitzerin sehr nervös.

Das ist ein Punkt, den ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte – und den ich sehr ernst nehme. Emotionen übertragen sich. Ganz besonders bei sensiblen, älteren oder ohnehin geschwächten Tieren. Die Besitzerin sagte selbst:
„Ich glaube, ich mache den Hund gerade noch ängstlicher.“

Und genau hier beginnt Therapie oft schon vor der ersten Nadel. Mit Verständnis. Mit Entlastung. Mit dem Wissen: Es muss nichts „richtig“ gemacht werden. Es darf einfach sein.

Es war der erste Akupunkturtermin dieser Hündin. Die erste Begegnung mit mir. Dass ein Hund in dieser Situation angespannt ist, ist nicht nur normal – es ist absolut nachvollziehbar.

Die Zunge lügt nicht – auch beim Pferd nicht

Die Zunge zeigte ein sehr typisches Bild:

  • relativ feuchtes Maul

  • belaglose Zunge

  • insgesamt leicht bläulicher Farbton

  • zu Beginn eine deutlich gerötete Zungenspitze im Herz-/Lungenbereich

Diese Rötung nahm im Verlauf bereits ab – ein Hinweis darauf, wie stark Aufregung und Emotionen den Befund beeinflussen können.

Der Puls war besonders auffällig: viel Feuchtigkeit im Bereich des Funktionskreises Milz-Pankreas. Genau das, was man bei chronischen Störungen der Bauchspeicheldrüse aus TCVM-Sicht sehr häufig findet.

Wenn diagnostische Punkte schweigen

Nun kam ein spannender – und in der Praxis extrem wichtiger – Moment:
Bei der Palpation der diagnostischen Punkte reagierte die Hündin zunächst auf keinen einzigen Punkt.

Für viele Therapeuten ist das ein Problem. Gerade dann, wenn man gelernt hat, sich stark auf Alarmpunkte und diagnostische Reaktionen zu verlassen. Ich kenne diese Situation sehr gut. Vor über 25 Jahren stand ich selbst genau an diesem Punkt und dachte:
„Und was mache ich jetzt?“

Nicht jeder Hund zeigt klare Punktreaktionen. Besonders dann nicht, wenn Angst, innere Anspannung und ein „sich festmachen“ dominieren. Der Körper ist dann im Alarmmodus – und nicht in der Lage, differenziert zu antworten.

Hier kommen Erfahrung, Flexibilität und zusätzliche diagnostische Werkzeuge ins Spiel.

RAC-Diagnostik: Verifizieren statt Raten

In solchen Fällen arbeite ich sehr gerne mit der RAC-Diagnostik. Sie erlaubt es mir, unabhängig von der direkten Reaktion des Tieres Informationen zu überprüfen und zu verifizieren.

Ich beginne beim weiblichen Tier in der Regel auf der rechten Seite, scanne Zustimmungs- und Zustimmungspunkte und beobachte über meinen eigenen Puls, ob sich die Pulsqualität verändert. Zusätzlich arbeite ich hier bereits mit Organfrequenzen.

Und genau hier zeigte sich ein klares Bild:
Der Zustimmungs- und Alarmpunkt von Milz-Pankreas reagierte deutlich. Die „gestörte Mitte“ bestätigte sich. Auch Magenzone und Leber zeigten Auffälligkeiten.

Interessant ist dabei immer wieder: Oft reagiert auch der Hund selbst subtil. Ein Schmatzen. Ein kurzes Innehalten des Atems. Kleine Zeichen, die man nur wahrnimmt, wenn man wirklich hinschaut.

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Die Akupunktur: Wenige Nadeln, klare Struktur

Nach Rücksprache mit der Besitzerin und mit Zustimmung der Hündin begann die Akupunkturbehandlung. Ich arbeite bewusst mit wenigen Nadeln. Fünf Nadeln sind für mich ideal. Weniger Reiz, mehr Klarheit.

Der Fokus lag auf:

  • energetischer Stärkung von Milz-Pankreas

  • Regulation der gestörten Mitte

  • Unterstützung von Magen und Verdauung

  • zusätzlicher Beruhigung des Shen (Geist)

Die Nadeln wurden überwiegend sehr flach gesetzt, oft nur subkutan. Mit Führungsröhrchen, ruhig, ohne Hast. Für den Hund ist der Reiz vergleichbar mit einem kurzen Insektenstich – schnell vorbei, gut tolerierbar.

Besonders wichtig war mir in diesem Fall auch die geistige Entspannung. Mit dem Shen-beruhigenden Punkt konnte die Hündin sichtbar loslassen. Der Körper wurde weicher, die Atmung ruhiger, die Zunge heller.

Feuchtigkeit als zentrales Thema

Was sich durch den gesamten Befund zog, war das Thema Feuchtigkeit.
Feuchtigkeit im Maul.
Feuchtigkeit im Puls.
Feuchtigkeit im Funktionskreis Milz-Pankreas.

Aus Sicht der TCVM ist das ein klassisches Muster bei chronischen Pankreasproblemen. Die Mitte ist geschwächt, kann Flüssigkeiten nicht mehr sauber transformieren und transportieren. Es entsteht innere Feuchte, die den Organismus belastet – körperlich und emotional.

Ergänzende Maßnahmen: Fütterung und Kräuter

Neben der Akupunktur haben wir intensiv über die Fütterung gesprochen. Die Hündin erhält eine individuell angepasste Kräuterrezeptur aus meiner eigenen Reihe, den Doxtader-Mischungen. Ziel ist es, die Mitte langfristig zu stabilisieren und die Feuchtigkeit zu regulieren.

Dieses Konzept wird zunächst über drei Monate begleitet. Danach möchte ich die Hündin erneut sehen, den Verlauf beurteilen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

Was dieser Fall zeigt

Dieser Fall ist kein „schneller Erfolg“. Und genau das ist mir wichtig zu betonen – auch im Sinne der HWG-Konformität. Chronische Bauchspeicheldrüsenprobleme sind komplex. Sie brauchen Zeit, Geduld und ein ganzheitliches Verständnis.

Was dieser Fall jedoch sehr deutlich zeigt, ist:

  • wie eng Emotionen und Verdauung miteinander verknüpft sind

  • wie wichtig es ist, diagnostisch flexibel zu bleiben

  • dass auch ohne klare Punktreaktionen eine fundierte TCVM-Diagnostik möglich ist

  • wie wertvoll es sein kann, die Mitte energetisch zu stabilisieren

Mein YouTube-Video zum Praxisfall

Wenn Du diesen Fall noch einmal live in der Behandlung sehen möchtest, dann empfehle ich Dir mein begleitendes YouTube-Video „TCVM Fall: Bauchspeicheldrüse“. Dort nehme ich Dich Schritt für Schritt mit in die praktische Arbeit mit dieser Hündin.

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Mehr Informationen

Ein Wort an Dich

Wenn Du selbst einen Hund mit Pankreasinsuffizienz begleitest – oder als Therapeut das Gefühl hast, bei solchen Fällen nicht weiterzukommen – dann darfst Du wissen: Du bist damit nicht allein. Die gestörte Mitte ist eines der häufigsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Themen in der Praxis.

In meiner Online-Ausbildung zur Traditionellen Chinesischen Medizin für Tiere vermittle ich genau dieses Wissen: verständlich, praxisnah und mit vielen echten Fallbeispielen. Ob Akupunktur, Laserakupunktur, kontrollierte Laserdiagnostik, Fütterung, Kräuter oder Vitalpilze – es geht immer darum, Zusammenhänge zu erkennen und individuelle Wege zu finden.

Dieser Fall hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man den Körper sprechen lässt. Und wenn man bereit ist, wirklich zuzuhören.

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Mehr erfahren:

Tina Doxtader

Wissen, Gefühl und Herz bei der Behandlung von Tieren zu vereinen ist mein Anliegen und so gebe ich es auch weiter.
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