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Manchmal sieht man einem Pferd auf den ersten Blick an, dass etwas nicht stimmt. Es wirkt müde, kraftlos, irgendwie nicht richtig „in seiner Mitte“. Es läuft zwar – aber nicht mit der Energie, die eigentlich in ihm stecken müsste.

Genau solche Fälle begegnen mir immer wieder im Unterricht meiner großen TCVM-Fachausbildung für Tiertherapeuten. Und genau deshalb sind echte Fallbeispiele so wertvoll. Sie zeigen nicht nur theoretisches Wissen, sondern vor allem, wie dieses Wissen im Alltag angewendet wird.

Ein besonders schönes Beispiel dafür stammt von meiner Schülerin Mira Ramp. Sie hat im Rahmen ihrer Abschlussarbeit das Pferd Finnur behandelt und dabei ein vollständiges Therapiekonzept nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin für Tiere entwickelt.

Dieser Fall zeigt sehr eindrucksvoll, wie tiefgreifend sich eine energetische Disharmonie auf Bewegung, Muskulatur und Leistungsfähigkeit auswirken kann – und wie sich der Zustand eines Pferdes verändern kann, wenn man die zugrunde liegende Ursache erkennt und gezielt behandelt.

Wichtig: Die folgenden Inhalte beschreiben eine individuelle Fallbetrachtung aus der tierheilkundlichen Praxis. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung.

Inhalte

Der Patient: Finnur – ein Islandpferd mit besonderer Geschichte

Finnur ist ein achtjähriger Islandwallach, der seit seinem Fohlenalter bei seiner Besitzerin Mira lebt. Schon sehr früh fiel auf, dass dieses Pferd körperlich nicht ganz stabil wirkte.

Bereits in jungen Jahren zeigten sich Knieprobleme und eine ausgeprägte Schwäche in der Hinterhand. Auch im Laufe der Ausbildung unter dem Sattel blieb diese Schwachstelle bestehen. Besonders auffällig war ein verkürzter Tritt hinten rechts sowie deutliche Verspannungen im Bereich von Lende und Kruppe.

Wer mit Pferden arbeitet, weiß: Hinterhandprobleme sind selten ein rein lokales Thema. Die Hinterhand ist das Kraftzentrum des Pferdes. Wenn dort Energie fehlt, spiegelt sich das im gesamten Bewegungsapparat wider.

Auch der Allgemeinzustand ließ erkennen, dass etwas nicht im Gleichgewicht war. Finnur wirkte häufig matt, wenig energiegeladen und insgesamt schwach bemuskelt.

Gleichzeitig zeigte er charakterlich Eigenschaften, die in der TCVM sehr interessant sind:

  • ausgesprochen freundlich

  • menschenbezogen

  • lernbereit

  • manchmal etwas übereifrig

Diese Kombination begegnet mir im Unterricht häufig bei einem ganz bestimmten energetischen Typ.

Der energetische Typ: der Nieren-Typ im Element Wasser

Wenn wir in der TCVM Tiere betrachten, schauen wir nicht nur auf Symptome. Wir betrachten auch Konstitution, Verhalten, Körperbau und energetische Muster.

Mira ordnete Finnur sehr klar dem Nieren-Typ zu, also dem Wasser-Element.

Diese Zuordnung passte erstaunlich gut zu seinem Erscheinungsbild:

Typische Merkmale waren unter anderem:

  • schmaler, kleiner Maulbereich

  • eher schwacher Puls

  • leise Stimme

  • große Bindung zum Menschen

Gerade diese enge Beziehung zum Menschen sehe ich bei Wasser-Typen sehr häufig. Diese Pferde sind sensibel, loyal und möchten gefallen. Gleichzeitig fehlt ihnen manchmal die innere Stabilität.

Das Element Wasser steht in der TCVM für:

  • die Nieren

  • die Essenz (Jing)

  • Knochen und Gelenke

  • Entwicklung und Wachstum

  • die grundlegende Lebensenergie

Wenn in diesem System ein Mangel entsteht, sehen wir häufig genau die Probleme, die auch bei Finnur auftraten.

Die TCVM-Diagnostik: was der Körper wirklich erzählt

Eine gute Therapie beginnt immer mit einer gründlichen Diagnose.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin arbeiten wir dabei mit verschiedenen diagnostischen Methoden.

Pulstastung

Der Puls von Finnur wurde als tief und schwach beschrieben.

Ein solcher Puls weist in der TCVM oft auf einen energetischen Mangel hin. Vor allem dann, wenn er tief im Körper liegt und schwer zu ertasten ist.

Zungendiagnose

Auch die Zunge lieferte wichtige Hinweise:

  • blasse Farbe

  • feucht

  • leicht geschwollen

Eine solche Zunge deutet häufig auf einen Yang-Mangel hin – also auf fehlende Wärme und fehlende Aktivierungsenergie im Körper.

Palpation der diagnostischen Punkte

Besonders interessant waren auch die Befunde an den Shu-Punkten:

  • Empfindlichkeit bei Blase 23

  • Empfindlichkeit bei Blase 26

  • verspannte und kühle Lendenregion

Diese Punkte gehören direkt zum Funktionskreis der Niere und der unteren Rückenregion.

Die Diagnose aus Sicht der TCVM

Aus allen Befunden ergab sich ein klares energetisches Bild:

Nieren-Yang-Mangel.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin bedeutet das:

Der Körper hat zu wenig wärmende, aktivierende Energie.

Das führt unter anderem zu:

  • Energiemangel

  • schwacher Muskulatur

  • Instabilität in Gelenken

  • Schwäche der Hinterhand

  • mangelnder Bewegungsfreude

Die Niere regiert in der TCVM Knochen und Mark. Wenn ihre Energie geschwächt ist, zeigt sich das oft zuerst im Bewegungsapparat – besonders in der Hinterhand.

Warum es kein Yin-Mangel war

In der TCVM ist es wichtig, verschiedene energetische Muster sauber voneinander zu unterscheiden.

Mira hat sich deshalb bewusst gefragt:

Warum ist es kein Nieren-Yin-Mangel?

Ein Yin-Mangel würde typischerweise andere Zeichen zeigen:

  • Unruhe

  • trockene Schleimhäute

  • rote, trockene Zunge

  • schneller Puls

All diese Zeichen waren bei Finnur nicht vorhanden.

Deshalb war die Entscheidung therapeutisch sinnvoll:
Die Behandlung sollte sich auf das Yang, also die Aktivierungsenergie der Niere, konzentrieren.

Das Behandlungskonzept

Die Therapie begann im März 2025 mit wöchentlichen Akupunkturbehandlungen.

Nachdem sich deutliche Verbesserungen zeigten, wurden die Abstände später auf monatliche Termine reduziert.

Ein wichtiger Gedanke dabei war die Reihenfolge der Behandlung:

Zuerst wurden Punkte an den Gliedmaßen genadelt, um den Energiefluss zu öffnen. Erst danach folgten die Punkte am Rumpf.

Dieses Vorgehen nennt man in der TCVM:

Behandlung von distal nach proximal.

Der Körper wird sozusagen zuerst energetisch „aufgeschlossen“, bevor man die zentralen Systeme behandelt.

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Die wichtigsten Akupunkturpunkte in diesem Fall

Mira kombinierte mehrere Punkte mit unterschiedlichen Funktionen.

Magen 45

Dieser Punkt wurde ausschließlich rechts stimuliert.

Er wirkt als Fernpunkt und kann energetische Blockaden im Bein lösen. Zudem wird ihm zugeschrieben, die Bewegung des Quadrizeps-Muskels zu verbessern und damit den Tritt zu verlängern.

Gerade bei Hinterhandproblemen kann das sehr interessant sein.


Niere 3

Der Quellpunkt des Nierenmeridians.

Er gehört zu den wichtigsten Punkten zur Stärkung der grundlegenden Energie des Körpers.

In der Praxis nutze ich diesen Punkt ebenfalls sehr häufig bei:

  • chronischer Schwäche

  • Rückenproblemen

  • Erschöpfung


Niere 7

Ein klassischer Tonisierungspunkt.

Er stärkt das Nieren-Yang und unterstützt den Wasserhaushalt im Körper.

Gerade bei energetischer Kälte und Schwäche ist er ein wertvoller Punkt.


Blase 23

Der wichtigste Zustimmungspunkt der Niere.

Er stärkt:

  • die Nierenenergie

  • das Skelettsystem

  • die Lendenregion

Wenn Pferde Probleme im unteren Rücken oder in der Hinterhand haben, spielt dieser Punkt häufig eine zentrale Rolle.


Blase 26

Dieser Punkt stabilisiert besonders den Übergang zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein.

Er wirkt lokal auf Verspannungen und unterstützt gleichzeitig die Kraftübertragung der Hinterhand.

Gerade bei chronischen Verspannungen im Bereich der Kruppe kann er sehr hilfreich sein.

Ergänzende Maßnahmen außerhalb der Akupunktur

Ein ganz wichtiger Punkt in der TCVM ist: Therapie endet nicht mit der Nadel.

Mira ergänzte die Behandlung deshalb durch mehrere unterstützende Maßnahmen.

Wärmemanagement

Bei Regen, Kälte oder im Winter wurde Finnur konsequent eingedeckt.

Zusätzlich nutzte sie regelmäßig ein Solarium nach intensiven Trainingseinheiten.

Das ist aus Sicht der TCVM absolut sinnvoll, denn Yang-Mangel bedeutet immer auch:

Der Körper braucht Wärme.


Angepasste Fütterung

Finnur erhielt warmes Mash.

Auch das ist energetisch logisch, da warme Nahrung die Yang-Energie unterstützt.


Training

Das Training wurde gezielt auf die Aktivierung der Hinterhand ausgerichtet.

Dazu gehörten unter anderem:

  • bergauf- und bergab-Training

  • Bewegung im Wasser

  • gezielte Gymnastikübungen

Das Ergebnis nach einem Jahr Therapie

Ein Jahr später war das Ergebnis beeindruckend.

Finnur zeigte:

  • deutlich mehr Energie

  • eine kräftige Hinterhand

  • stabile Knie

  • gelöste Muskulatur in Lende und Kruppe

Seine frühere Instabilität war praktisch verschwunden.

Solche Veränderungen zu sehen, gehört zu den schönsten Momenten in meiner Arbeit als Dozentin.

Denn genau hier wird sichtbar, wie wirkungsvoll ein ganzheitliches Verständnis des Körpers sein kann.

Was Mira rückblickend anders machen würde

Besonders spannend fand ich auch die ehrliche Selbstreflexion meiner Schülerin.

Im Nachhinein hätte sie zusätzlich folgende Maßnahmen integriert:

  • eine wärmende Kräuterrezeptur (You Gui Wan)

  • Moxibustion an wichtigen Yang-Punkten

  • zusätzliche Knie-stabilisierende Punkte

Gerade diese Reflexion ist ein Zeichen echter therapeutischer Entwicklung.

Denn niemand arbeitet von Anfang an perfekt.

Entscheidend ist, dass man aus jedem Fall lernt.

Warum echte Fallbeispiele so wertvoll sind

In meiner Ausbildung lege ich großen Wert darauf, dass meine Schülerinnen nicht nur Theorie lernen.

Sie sollen:

  • diagnostisch denken

  • Zusammenhänge verstehen

  • eigene Therapiekonzepte entwickeln

Genau das hat Mira in diesem Fall sehr schön umgesetzt.

Dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur Symptome zu behandeln, sondern das energetische Gesamtbild eines Tieres zu erkennen.

Ein persönliches Wort zum Schluss

Wenn ich solche Arbeiten lese, bin ich immer wieder stolz auf meine Schülerinnen.

Nicht, weil jeder Schritt perfekt ist.
Sondern weil sie den Mut haben, sich auf diesen komplexen Weg einzulassen.

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist kein starres Schema. Sie ist ein lebendiges System, das Erfahrung, Beobachtung und Intuition miteinander verbindet.

Und genau das macht diese Arbeit so faszinierend.

Möchtest Du noch tiefer in dieses Thema eintauchen?

Vielleicht hast Du beim Lesen gemerkt, wie vielschichtig solche Fälle sind – und wie wichtig es ist, nicht nur Symptome zu betrachten, sondern die energetischen Zusammenhänge wirklich zu verstehen.

Genau deshalb habe ich Dir zu diesem Thema zusätzlich ein Video aufgenommen.

Darin gehe ich noch einmal detaillierter auf die Hinterhandschwäche aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin für Tiere ein und zeige Dir, worauf Du in der Praxis achten solltest.

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Mehr Informationen

Möchtest Du selbst lernen, solche Fälle zu verstehen und zu behandeln?

Vielleicht hast Du beim Lesen gemerkt, wie faszinierend die Arbeit mit der Traditionellen Chinesischen Medizin für Tiere sein kann.

Es geht dabei nicht nur darum, einzelne Symptome zu betrachten. Vielmehr lernst Du, Zusammenhänge zu erkennen, energetische Muster zu verstehen und daraus individuelle Behandlungskonzepte für jedes einzelne Tier zu entwickeln.

Genau das vermittle ich in meiner Online-Ausbildung „Traditionelle Chinesische Medizin für Pferde und Hunde“. Dort lernst Du Schritt für Schritt:

  • energetische Typen bei Tieren zu erkennen

  • Puls- und Zungendiagnostik richtig zu interpretieren

  • Akupunkturpunkte gezielt auszuwählen

  • Disharmoniemuster zu verstehen

  • und daraus ein ganzheitliches Behandlungskonzept zu entwickeln.

Wenn Du Dir selbst ein Bild von der Ausbildung machen möchtest, kannst Du Dir ganz unverbindlich eine Probelektion anschauen.

Buche jetzt Deine Probelektion meiner Online-Ausbildung „Traditionelle Chinesische Medizin für Pferde und Hunde“.

Das Fallbeispiel wurde von meiner Schülerin Mira erstellt.
Klicke auf den Button und gelange direkt zu Miras Instagram-Profil.

Mehr erfahren:

Tina Doxtader

Wissen, Gefühl und Herz bei der Behandlung von Tieren zu vereinen ist mein Anliegen und so gebe ich es auch weiter.
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