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Es ist diese besondere Art von Stillstand, die man im Winter bei vielen Pferden beobachten kann. Kein offensichtliches Lahmen, kein dramatisches Wegdrücken – und doch ist da etwas, das nicht mehr frei schwingt. Der Rücken wirkt fest, die Bewegung kürzer, die Lende wie eingefroren. Manche Pferde brauchen lange, um sich einzulaufen. Andere zeigen Unruhe beim Putzen, beim Satteln oder beim Angaloppieren. Und oft hört man denselben Satz:
„Im Sommer ist alles gut – aber im Winter wird es jedes Jahr schlimmer.“

Genau hier beginnt die Geschichte von Winter-Rückenschmerzen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin für Tiere (TCVM). Denn Kälte ist in der TCVM kein Nebendarsteller. Sie ist ein ernstzunehmender pathogener Faktor – besonders dann, wenn im Körper bereits eine Schwäche vorhanden ist.

Inhalte

Ein Blick in die Praxis: eine ältere Stute im Dezember

Ich befinde mich mitten in der Untersuchung einer älteren Pferdepatientin. Eine Stute, die seit Jahren unter Beschwerden im Bereich der Lende und des lumbosakralen Übergangs leidet. Wir haben Dezember. Es ist kalt, windig, typisch Winter an der Nordseeküste. Und genau jetzt sind ihre Rückenschmerzen wieder deutlich spürbar.

Die Osteopathin war bereits vor mir da, hat behandelt und zum Abschluss Tapes geklebt, die teilweise noch auf dem Pferd haften. Jetzt bin ich für die Untersuchung und Behandlung im Sinne der TCVM vor Ort.

Bevor es überhaupt in Richtung Diagnostik geht, ist mir eines besonders wichtig: Beziehung.
Die Stute kennt mich nicht. Für ein Pferd kann eine fremde Person schnell verunsichernd sein – besonders dann, wenn diese Person anfängt, an Beinen, Pulsstellen oder Akupunkturpunkten zu arbeiten. Deshalb nehme ich mir Zeit. Ich werde ruhig, präsent, erkläre – und zwar nicht nur dem Besitzer, sondern auch dem Pferd.

Das ist kein „esoterischer Zusatz“. Pferde reagieren unmittelbar auf Klarheit, Absicht und innere Haltung. Und genau diese Basis braucht jede gute TCVM-Behandlung.

Warum ich immer mit der chinesischen Pulsdiagnostik beginne

Ich starte – wie bei jedem Pferd – mit der chinesischen Pulsdiagnostik. Vorsichtig, ohne Druck, ohne Eile. Die Stute ist zunächst skeptisch. Sie weiß nicht, was ich da vorhabe. Also taste ich behutsam, bleibe ruhig, lasse ihr Zeit.

Nach kurzer Zeit verändert sich etwas. Die Muskulatur wird weicher, die Atmung ruhiger. Das Pferd lässt sich ein.
Erst dann ist die Pulsdiagnostik wirklich aussagekräftig.

Mit den Fingern erfühle ich die unterschiedlichen Organpositionen. Der Puls erzählt mir sehr viel:

  • Wo liegt eine Leere?

  • Wo fehlt Wärme?

  • Gibt es Hinweise auf Chronizität?

  • Welche Funktionskreise sind beteiligt?

In diesem Fall zeigt sich relativ klar:
Keine akute Fülle. Keine überschießende Hitze.
Stattdessen ein Bild von Leere, das auf Kälte besonders sensibel reagiert.

Die Zunge lügt nicht – auch beim Pferd nicht

Nach dem Puls schaue ich mir die Zunge an. Sie ist schmal, eher blass, ohne Belag. Auch das bestätigt den Eindruck aus der Pulsdiagnostik.

Eine blasse Zunge bei einem Pferd mit Winter-Rückenschmerzen ist ein wichtiges Zeichen. Sie zeigt, dass keine pathogene Hitze vorliegt, sondern dass dem Körper Substanz und Wärme fehlen. Genau diese Kombination macht Pferde im Winter anfällig für tief sitzende Schmerzen – insbesondere im Bereich der Lende.

Palpation diagnostischer Akupunkturpunkte – dort, wo der Körper reagiert

Nach Puls und Zunge folgt die Palpation diagnostischer Akupunkturpunkte. Ich beginne am Kopf und arbeite mich systematisch entlang der Meridiane vor.

Sehr deutlich reagiert der Punkt Blase 27 – der Zustimmungspunkt des Dünndarms. Dieser Punkt liegt im Bereich des lumbosakralen Übergangs und ist aus TCVM-Sicht ein Schlüsselpunkt bei Rückenschmerzen.

Was hier wichtig ist:
Blase 27 ist nicht nur ein lokaler Rückenpunkt.
Er steht in enger funktioneller Verbindung zum Dünndarm.

Zusätzlich zeigt sich:

  • beidseitige Reaktion von Blase 27

  • Stauung im Gürtelgefäß

  • der äußere Ast des Blasenmeridians (zuständig für Emotionalität und Chronizität) ist unauffällig

Das bedeutet:
Die Problematik ist strukturell und funktionell, nicht primär emotional.

Tingpunkt-Diagnostik: wenn Leere festhält

Ein weiterer, oft unterschätzter Schritt ist die Tingpunkt-Diagnostik. Und genau hier wird es besonders spannend.

Ich stelle fest:

  • Leber 1 ist beidseits deutlich eingefallen – ein klares Zeichen von Leere

  • Dünndarm 1 an der linken Vordergliedmaße ist ebenfalls leer

Tingpunkte geben Hinweise auf die tendinomuskulären Meridiane. Und der tendinomuskuläre Meridian der Leber hat seine Anheftung am Sitzbeinhöcker.

Das erklärt für mich sehr schlüssig, warum der lumbosakrale Übergang so fixiert ist.
Wenn die tendinomuskuläre Leber-Leitbahn nicht loslassen kann, kann der Rücken nicht frei schwingen – egal, wie oft er mechanisch behandelt wird.

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Die Therapie: Laserakupunktur mit System und Sinn

Für die Behandlung entscheide ich mich für Laserakupunktur. Sanft, präzise, tief wirksam – und gerade für ältere Pferde hervorragend geeignet.

Natürlich stelle ich der Stute den Laser zuerst vor. Sie soll ihn sehen, wahrnehmen, einschätzen können. Und sie entscheidet sehr klar: Das ist in Ordnung.

Öffnung der außerordentlichen Gefäße

Ich beginne mit der Öffnung des Gürtelgefäßes über Gallenblase 41.
Anschließend kopple ich über Dreifacherwärmer 5, um das Yang-Verbindungsgefäß zu öffnen.

Diese Kombination ist essenziell bei:

  • Becken- und Lendenproblemen

  • chronischen Rückenbeschwerden

  • Stauungen im unteren Rückenbereich

Warum ich Dünndarm 3 gewählt habe – und nicht den Tingpunkt

Da Dünndarm 1 leer war, entscheide ich mich bewusst für Dünndarm 3.

Dünndarm 3 kann:

  • leitbahnbezogene Obstruktionen lösen

  • das Lenkergefäß (Du Mai) öffnen

  • direkten Einfluss auf die Wirbelsäule nehmen

Und genau hier liegt der Kern der Fragestellung:
Ist der Rücken selbst das Problem – oder Ausdruck einer tieferliegenden Funktionsstörung?

Die Reaktion ist eindeutig.
Nach der Behandlung reagiert Blase 27 deutlich weniger, obwohl ich ihn gar nicht direkt behandelt habe.
Das ist TCVM in ihrer ganzen Vernetztheit.

Leber 1 – wenn der Körper endlich loslassen darf

Zum Abschluss behandle ich Leber 1 beidseits mit einer speziellen Laserfrequenz.
Der Tingpunkt öffnet den tendinomuskulären Meridian – und damit genau die Strukturen, die am Sitzbeinhöcker fixiert sind.

Für mich ist das der Schlüssel zur Erklärung, warum der lumbosakrale Übergang so unbeweglich war.

Moxibustion: Wärme als fehlender Baustein

Da sich die Beschwerden im Winter massiv verschlechtern, entscheide ich mich zusätzlich für eine flächige Moxibustion mit der Kobayashi-Moxa-Box.

Die Tapes werden entfernt, die Lende, das Sakrum und der Übergang werden großflächig gemoxt. Die Stute genießt es sichtbar. Sie entspannt sich. Sie lässt los.

Hier zeigt sich ganz klar:
➡️ Nieren-Yang-Mangel

Die Niere öffnet sich in der Lende.
Fehlt Yang, fehlt Wärme.
Und Kälte verstärkt den Schmerz.

Das therapeutische Gesamtkonzept – nachhaltig statt kurzfristig

Die Behandlung besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme, sondern aus einem stimmigen Gesamtkonzept:

  • Laserakupunktur zur Lösung tiefer Blockaden

  • Moxibustion zur Yang-Stärkung

  • konsequentes Wärmemanagement im Winter

  • warme Fütterung (z. B. regelmäßiges Mash)

  • chinesische Kräuterrezeptur „Bewegungskünstler“ aus meiner eigenen Serie

    • Qi- und Blut-bewegend

    • schmerzlindernd

    • Yang-stärkend

Der Therapiezyklus ist auf drei Monate ausgelegt.
Moxibustion darf – je nach Zeit und Wetter – sogar täglich erfolgen.

Verlauf, Nachkontrolle und Verantwortung

TCVM ist kein „einmal behandeln und fertig“.
Sie lebt von Beobachtung, Nachkontrolle und Anpassung.

  • Wie verändert sich das Gangbild?

  • Wie reagiert das Pferd auf Kälte?

  • Was sagt die Besitzerin im Alltag?

All das fließt in die weitere Begleitung mit ein.

Mein YouTube-Video zum Praxisfall

Wenn Du diesen Fall noch einmal live in der Anwendung sehen möchtest – mit Diagnostik, Laserakupunktur und Moxibustion dann empfehle ich Dir mein YouTube-Video:

„Winter-Rückenschmerz beim Pferd: TCVM-Diagnostik & Laser“

Dort kannst Du die einzelnen Schritte noch einmal visuell nachvollziehen und ein Gefühl dafür bekommen, wie tiefgreifend diese Arbeit ist.

Dein nächster Schritt

Wenn Du Dich hier wiederfindest –
weil Dein eigenes Pferd im Winter unter Rückenschmerzen leidet
oder weil Du als Therapeut solche Fälle sicher, fundiert und ursachenorientiert behandeln möchtest –

dann brauchst Du mehr als einzelne Punkte.

Du brauchst:

  • echte TCVM-Diagnostik

  • Verständnis für Leitbahnen, Gefäße und Muster

  • Sicherheit in Laserakupunktur und Moxibustion

  • Wissen über chinesische Arzneien und Fütterung

Genau das vermittle ich in meiner
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Tina Doxtader

Wissen, Gefühl und Herz bei der Behandlung von Tieren zu vereinen ist mein Anliegen und so gebe ich es auch weiter.
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